Wie die Wädenswiler Samichläuse 1600 Säckli gefüllt haben
Die Mitglieder der Chlauszunft bereiten sich auf ihre Einsätze vor. Nur ihre Bärte machen ihnen Sorgen, denn diese müssten sie eigentlich ersetzen.
Quelle: Tagesanzeiger/Wädenswil, 04. Dezember 2024, Text: Til Erzinger
In Kürze:
- Die Chlauszunft Wädenswil bereitet rund 1600 Chlaussäckli mit Leckereien vor.
- Die Wädenswiler Samichläuse nutzen alte Bärte wegen fehlenden Crowdfunding-Erfolgs.
- Einer der dienstältesten Chläuse ist seit 1987 aktiv.
Ab Freitag, 6. Dezember, sind sie wieder in vielen Familien zu Besuch: die Samichläuse. Ihre Arbeit beginnt aber, zumindest in Wädenswil, jeweils schon in der Vorwoche. In einer Gewerbehalle trafen sich kürzlich die zwanzig Mitglieder der Chlauszunft. Intensives Säcklipacken stand auf dem Programm. Die Redaktion war mit dabei.
In der Halle riecht es nach Mandarinen, Nüssen und Lebkuchen. 1600 Chlaussäckli müssen vorbereitet werden. An einem grossen Tisch befüllen die Chlauszünfter und Helfenden routiniert ein Säckli nach dem anderen. Dann legen sie sie in einen hölzernen und mit Rädern versehenen Schlitten – perfekt aufgereiht und ausgerichtet, versteht sich. Nun sind sie parat, um tags danach am Chlauseinzug im Wädenswiler Stadtzentrum verteilt zu werden.
Auch der Oberchlaus hilft beim Packen mit. Seinen echten Namen will er lieber nicht verraten. Um die Magie des Samichlaus zu wahren, erklärt er. «Es müssen ja nicht gleich alle wissen, wer sich unter dem langen Bart versteckt.» Bei der Chlauszunft sei Diskretion wichtig.
Spendenaktion für neue Bärte blieb erfolglos
Die Bärte sind denn auch ein Thema, das die Chlauszunft schon länger beschäftigt. «Sie sind aus Echthaar gefertigt und nicht ganz billig», sagt der Oberchlaus. Etwa 1000 Franken kostet ein Samichlausbart. Einmal im Jahr haben die Bärte sogar einen Coiffeurtermin. Das Problem liegt aber nicht etwa bei der Wahl der richtigen Frisur, sondern darin, dass einige Bärte bereits über 40 Jahre alt sind. «Zwar werden sie nur für wenige Tage im Jahr gebraucht», sagt der Oberchlaus: «Trotzdem sind viele nun an ihrem Lebensende angekommen.»
Um mehrere Bärte auf einmal zu ersetzen, habe die Chlauszunft in diesem Jahr im Rahmen des Projekts 1816 der Clientis Sparcassa einen Spendenaufruf gestartet. «Leider ohne den gewünschten Erfolg.» Deshalb müssen auch in diesem Jahr zahlreiche Wädenswiler Samichläuse und Schmutzli mit einem alten Bart von Haus zu Haus ziehen oder im Chlaushüsli Kinder empfangen.
«Kleinere Reparaturen sind kein grosses Problem», sagt der Oberchlaus. Einen Gummizug beispielsweise könne man gut ersetzen. An manchen Bärten seien die Gebrauchsspuren aber einfach zu gross. So kauft die Zunft ihren Mitgliedern nun Stück für Stück eine neue weisse Haarpracht.
Was den Samichlaus motiviert
Seit 1987 schlüpft «Waldi» jedes Jahr in seinen Bart, in sein Chlausgewand und in seine Rolle als Samichlaus. Er ist einer der dienstältesten, noch aktiven Chläuse in Wädenswil. In Waldis Kindheit konnte der Mann im roten Gewand auch streng sein, erinnert er sich: Manchmal habe ihn der Samichlaus zum Weinen gebracht. «Mein Ziel ist es natürlich, dass das bei meinen Chlauseinsätzen nicht passiert.» Rund 150 Hausbesuche machen die Wädenswiler Samichläuse jedes Jahr. Daneben sind sie am Chlauseinzug, im Chlaushüsli, das sich im Hirzel befindet, und an zahlreichen Firmenanlässen im Einsatz. Von Letzteren finanziere sich die Zunft grösstenteils, sagt der Oberchlaus. Seine Leidenschaft seien aber die Hausbesuche. «Als Chlaus kommt man in eine Wohnung, spürt die Anspannung und sieht die leuchtenden Kinderaugen – das ist einfach ein sehr schöner Moment.»
