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Medienmitteilungen rund um die Chlauszunft Wädenswil

2024 – Diskrete Arbeit in Gewerbehalle

Wie die Wädenswiler Samichläuse 1600 Säckli gefüllt haben

Die Mitglieder der Chlauszunft bereiten sich auf ihre Einsätze vor. Nur ihre Bärte machen ihnen Sorgen, denn diese müssten sie eigentlich ersetzen.

Quelle: Tagesanzeiger/Wädenswil, 04. Dezember 2024, Text: Til Erzinger

In Kürze:

  • Die Chlauszunft Wädenswil bereitet rund 1600 Chlaussäckli mit Leckereien vor.
  • Die Wädenswiler Samichläuse nutzen alte Bärte wegen fehlenden Crowdfunding-Erfolgs.
  • Einer der dienstältesten Chläuse ist seit 1987 aktiv.

Ab Freitag, 6. Dezember, sind sie wieder in vielen Familien zu Besuch: die Samichläuse. Ihre Arbeit beginnt aber, zumindest in Wädenswil, jeweils schon in der Vorwoche. In einer Gewerbehalle trafen sich kürzlich die zwanzig Mitglieder der Chlauszunft. Intensives Säcklipacken stand auf dem Programm. Die Redaktion war mit dabei.

In der Halle riecht es nach Mandarinen, Nüssen und Lebkuchen. 1600 Chlaussäckli müssen vorbereitet werden. An einem grossen Tisch befüllen die Chlauszünfter und Helfenden routiniert ein Säckli nach dem anderen. Dann legen sie sie in einen hölzernen und mit Rädern versehenen Schlitten – perfekt aufgereiht und ausgerichtet, versteht sich. Nun sind sie parat, um tags danach am Chlauseinzug im Wädenswiler Stadtzentrum verteilt zu werden.

Auch der Oberchlaus hilft beim Packen mit. Seinen echten Namen will er lieber nicht verraten. Um die Magie des Samichlaus zu wahren, erklärt er. «Es müssen ja nicht gleich alle wissen, wer sich unter dem langen Bart versteckt.» Bei der Chlauszunft sei Diskretion wichtig.

Spendenaktion für neue Bärte blieb erfolglos

Die Bärte sind denn auch ein Thema, das die Chlauszunft schon länger beschäftigt. «Sie sind aus Echthaar gefertigt und nicht ganz billig», sagt der Oberchlaus. Etwa 1000 Franken kostet ein Samichlausbart. Einmal im Jahr haben die Bärte sogar einen Coiffeurtermin. Das Problem liegt aber nicht etwa bei der Wahl der richtigen Frisur, sondern darin, dass einige Bärte bereits über 40 Jahre alt sind. «Zwar werden sie nur für wenige Tage im Jahr gebraucht», sagt der Oberchlaus: «Trotzdem sind viele nun an ihrem Lebensende angekommen.»

Um mehrere Bärte auf einmal zu ersetzen, habe die Chlauszunft in diesem Jahr im Rahmen des Projekts 1816 der Clientis Sparcassa einen Spendenaufruf gestartet. «Leider ohne den gewünschten Erfolg.» Deshalb müssen auch in diesem Jahr zahlreiche Wädenswiler Samichläuse und Schmutzli mit einem alten Bart von Haus zu Haus ziehen oder im Chlaushüsli Kinder empfangen.

«Kleinere Reparaturen sind kein grosses Problem», sagt der Oberchlaus. Einen Gummizug beispielsweise könne man gut ersetzen. An manchen Bärten seien die Gebrauchsspuren aber einfach zu gross. So kauft die Zunft ihren Mitgliedern nun Stück für Stück eine neue weisse Haarpracht.

Was den Samichlaus motiviert

Seit 1987 schlüpft «Waldi» jedes Jahr in seinen Bart, in sein Chlausgewand und in seine Rolle als Samichlaus. Er ist einer der dienstältesten, noch aktiven Chläuse in Wädenswil. In Waldis Kindheit konnte der Mann im roten Gewand auch streng sein, erinnert er sich: Manchmal habe ihn der Samichlaus zum Weinen gebracht. «Mein Ziel ist es natürlich, dass das bei meinen Chlauseinsätzen nicht passiert.» Rund 150 Hausbesuche machen die Wädenswiler Samichläuse jedes Jahr. Daneben sind sie am Chlauseinzug, im Chlaushüsli, das sich im Hirzel befindet, und an zahlreichen Firmenanlässen im Einsatz. Von Letzteren finanziere sich die Zunft grösstenteils, sagt der Oberchlaus. Seine Leidenschaft seien aber die Hausbesuche. «Als Chlaus kommt man in eine Wohnung, spürt die Anspannung und sieht die leuchtenden Kinderaugen – das ist einfach ein sehr schöner Moment.»

2024 – 60 Jahre Chlauszunft Wädenswil – eine Tradition ­voller Herzenswärme und Geschichte

Quelle: Wädenswiler Angzeiger, 20. November 2024, Text: Ernst Brändli

Wädenswil feiert ein rundes Jubiläum: Seit sechs Jahrzehnten engagieren sich die Mitglieder der Chlauszunft Wädenswil, um den beliebten Samichlaus-Brauch ­lebendig zu halten. Ein Rückblick auf die bewegte Geschichte einer Zunft, die Brauchtum und Gemeinschaft auf einzigartige Weise verbindet.

Bereits im Jahr 1964 gründete eine Gruppe engagierter Wädenswiler Männer die Chlauszunft. Ihr Ziel: den Nikolaus-Brauch in ihrem Dorf zu bewahren und einen festlichen Adventsbeginn mit der Bevölkerung zu teilen. Im Vordergrund standen damals wie heute die Besuche des Samichlaus und seines treuen Begleiters Schmutzli in den Stuben von Familien, Kindergärten und Schulen.
Von Anfang an legte die Zunft Wert auf eine durchdachte Organisation und klare Verantwortlichkeiten. Schon bald waren nicht nur Gewänder und Ruten in Planung, sondern auch ein Bischofsstab und die beliebten Chlaussäckli, die bis heute am ersten Adventswochenende befüllt werden. So entstand eine Struktur, die mit festen Rollen für den Oberchlaus und den Chlaus-Paaren bis heute das Fundament der Zunft bildet.

Tradition im Wandel: Von der handschriftlichen Liste zur Online-Anmeldung

In den Anfängen erfolgten die Anmeldungen für den Chlausbesuch telefonisch oder mündlich. Damals wurden handschriftliche Listen geführt, auf denen die geplanten Hausbesuche notiert und an die verschiedenen Chlausteams verteilt wurden. Mit der steigenden Nachfrage wuchs auch der Organisationsaufwand, weshalb die Zunft das Einzugsgebiet in Kreise aufteilte und Helfer für den Telefondienst gewann. Als das Internet Einzug hielt, bot die Zunft frühzeitig die Möglichkeit, Besuche online zu buchen. Die jährliche Verteilersitzung blieb jedoch fester Bestandteil – und ebenso die Begeisterung der Zunftmitglieder, auch wenn die Anzahl der Besuche heute geringer ist als früher.

Das Chlaushüüsli – ein Besuch in der Heimat des Samichlaus

Für die jüngeren Wädenswiler bietet sich seit der Jahrtausendwende die Gelegenheit, das Zuhause von Samichlaus und Schmutzli im Wädenswiler Berg zu besuchen. Einst besuchte der Samichlaus die Kinder direkt in ihren Schulzimmern, doch nun können die Kinder in das liebevoll gestaltete Chlaushüüsli eintauchen. Dort erfahren sie, wie der Samichlaus lebt und entdecken kleine Details, wie den Schmutzli, der angeblich hinter dem Haus im Bach ein Bad nimmt. Die Chlaushüüsli-Besuche sind eine zauberhafte Möglichkeit, die Tradition lebendig zu erleben und die Magie der Adventszeit greifbar zu machen.

Ein dichtes Programm und eine lebendige Gemeinschaft

Die Adventszeit ist für die Zunftmitglieder besonders arbeitsintensiv: Bereits Ende November beginnen die Vorbereitungen für den Einzug am ersten Advent. Mit vereinten Kräften werden 1600 Chlaussäckli befüllt, die bei den Besuchen an die Kinder verteilt werden. Am ersten Adventssonntag zieht die Zunft feierlich durch Wädenswil und bringt den ersten Adventsgruss. Danach folgen die Chlaushüüsli-Tage für die Schulen und die Hausbesuche in der Region, die bis zum 8. Dezember andauern.
Auch über die Adventszeit hinaus bleibt die Zunft aktiv. Neben dem Schlusstreffen und dem Abschlussessen stehen übers Jahr hinweg gemeinsame Ausflüge und Anlässe auf dem Programm. Im Jubiläumsjahr unternahmen die Zünftler beispielsweise eine Reise nach Freiburg, um dort die lokale Chlausvereinigung kennenzulernen.

Geheimniskrämerei und Zuwachs für die Zunft

Dass jemand im Bekanntenkreis oder sogar in der eigenen Familie Mitglied der Chlauszunft ist, bleibt oft unbemerkt – die Mitglieder halten ihre Tätigkeit meist diskret. Dennoch sucht die Zunft regelmässig neue Mitglieder, die sich für die Tradition begeistern. Interessierte können sich direkt an die Zunft wenden und vielleicht schon im kommenden Jahr als Schmutzli oder Samichlaus die Kinderaugen zum Leuchten bringen.
Die Chlauszunft Wädenswil ist weit mehr als eine Brauchtumsgemeinschaft. Sie ist eine Familie von Menschen, die Freude am Nikolausfest und an der Gemeinschaft haben. In einem Jahr voller Jubiläen schaut die Zunft mit Stolz zurück – und voller Vorfreude auf viele kommende Adventszeiten.

2023 – Fragen an den Oberchlaus der Chlauszunft Wädenswil

Quelle: Wädenswiler Anzeiger, 22. November 2023

Wie viele Chläuse und Schmutzlis sind in der Chlauszunft Wädenswil?
Die Chlauszunft Wädenswil besteht aktuell aus zwanzig Zunftmitgliedern. Wir stellen zehn Chlauspaare für die Hausbesuche zusammen und decken so unser Chlausgebiet Wädenswil, Au, Richterswil, Samstagern, Schönenberg und Hütten ab.

Welches sind die Aufgaben vom Oberchlaus in der Chlauszunft Wädenswil?
Als Zunftvorsteher ist es meine Aufgabe, die Zunft und deren Mitglieder zu leiten. Auf die Chlauszeit hin lade ich zu den anstehenden Sitzungen ein, treffe Absprachen mit Zunftmitgliedern und bin in Kontakt mit den Behörden, damit wir die Bewilligungen für den Chlauseinzug erhalten. In unseren Zusammenkünften führe ich durch die Sitzungspunkte und bespreche mit den Zunftmitgliedern die anstehenden Sachgeschäfte. Ausserhalb der Chlauszeit treffen wir uns zu verschiedenen Anlässen, und diese gilt es auch zu koordinieren oder es braucht noch die Unterstützung des Oberchlaus in der Organisation. Ab und zu ist ein offenes Ohr für die Zunftmitglieder nötig und neue Ideen oder Gedankengänge werden besprochen.

Gibt es weitere Samichläuse und Schmutzlis mit gewissen Aufgaben?
Die Chlauszeit erfordert einiges an Organisation. Ich bin froh, dass mich weitere Samichläuse und Schmutzlis in diesen Arbeiten unterstützen. So hält unser Materialschmutzli unsere Gewänder, Bärte und weiteres Material in Schuss und achtet darauf, dass alles im Dezember bereitsteht. Für den Chlauseinzug stellt die Chlauszunft 1600 Chlaussäckli zusammen. Die feinen Zutaten werden im Vorfeld durch zwei Mitglieder organisiert und bereitgestellt. Damit die Bevölkerung von Wädenswil über die Chlauszunft und den Chlauseinzug informiert ist, übernimmt ein Samichlaus die Werbetrommeln und schaltet Inserate, gestaltet unsere Plakate und achtet drauf, dass wir im Internet einen aktuellen Auftritt haben. Wenn dann Anfang November die Hausbesuche angemeldet werden, übernimmt ein Zunftmitglied die Organisation und verteilt die anstehenden Besuche auf die Chlauspaare. Zu guter Letzt achtet unser Kassier darauf, dass die Spendengelder nicht im Sack vergessen werden und schliesst an der Schlusssitzung die Kasse sauber ab.

Was für ein Programm habt Ihr während der Chlauszeit?
Ende November und Anfang Dezember haben wir natürlich ein dichtes Programm. Am Samstag vor dem Einzug packen wir die 1600 Chlaussäcklein ab. Hier unterstützen uns zusätzlich fleissige Hände, so dass Apfel, Schokolade, Lebkuchen und Nüsse in Fliessbandarbeit in die Säcklein fliessen und am Ende im grossen Wagen aufgeschichtet werden. Am Sonntag, dem 1. Advent, beginnt unsere Chlauszeit mit dem Einzug offiziell. Wir ziehen über die Zuger- und Gerbestrasse in Wädenswil ein und bringen den Kindern und Eltern den ersten Adventsgruss. Danach folgen vom 6. bis 10. Dezember die Hausbesuche in der Region Wädenswil.

Wie kann man sich für einen Hausbesuch bei der Chlauszunft Wädenswil anmelden?
Die Chlauszunft Wädenswil bietet seit Jahren die Möglichkeit sich digital für einen Hausbesuch anzumelden. Auf unserer Webseite ­www.chlauszunft.ch finden sich alle Informationen für die Anmeldung für einen Chlausbesuch. Wir machen nicht nur Besuche zu Hause in der guten Stube, sondern freuen uns auch über Besuch unter freiem Himmel. Möchte man sich lieber telefonisch melden, so funktioniert das wunderbar unter Telefon 079 271 37 99.

Hat der Samichlaus ein Hüsli im Wald mit Eseln?
Ja der Samichlaus und der Schmutzli haben ein Hüsli im Wald. Jedes Jahr bieten wir den Kindergärten der Primarschule Wädenswil die Möglichkeit, den Samichlaus draussen im Wald zu besuchen. Das Chlaus-Hüsli liegt versteckt im Wald, und die Kinder erfahren einen verzauberten Besuch bei uns. Sie erkunden unser Hüsli, können die Esel streicheln, lauschen einer Chlausgeschichte und stärken sich bei einem warmen Punsch und Lebkuchen. Wenn es dann noch leicht schneit, erleben die Kindergartenkinder einen wunderbaren Besuch beim Samichlaus und Schmutzli draussen im Wald.

Welches sind Deine Lieblingstätigkeiten (Hausbesuche, spezielle Chlausanlässe)?
Als Mitglied der Chlauszunft liebt man es, die Tradition des Samichlausbesuches anfangs Dezember zu pflegen. Ein Hausbesuch ist ebenso schön, wie ein Anlass einer Spielgruppe draussen im Wald, ein Besuch bei einer Seniorengruppe oder ein Besuch eines Firmenanlasses in der Region Wädenswil.

Welches sind die schönsten Momente, welche der Samichlaus erlebt hat?
Mir gefällt es, wenn es zu einer guten Interaktion mit den Kindern oder den Anwesenden kommt. Wenn ein Leuchten in den Augen sichtbar wird und der Raum sich mit Herzenswärme füllt. Doch jedes Jahr steigt die Nervosität am 1. Advent an, wenn wir Samichläuse und Schmutzlis mit Esel und Wagen um halb sechs auf der Zugerstrasse in Wädenswil einziehen. Unter der Wädenswiler Weihnachtsbeleuchtung hört man die ersten Gedichte, sieht fröhliche Gesichter und stimmt sich auf die Chlauszeit ein. Dieser Moment ist jedes Jahr für mich faszinierend, bewegt mich und zählt zum schönsten Moment in jedem Chlausenjahr.

Was für eine Aufgabe hat Dein Schmutzli?
Mein Begleiter unterstützt mich bei den Besuchen. Dies beginnt schon vor der Haustür, wenn er drauf achtet, dass ich mein Buch sicher dabeihabe und die Stiefel nicht voller Dreck oder Schnee sind. Der Schmutzli klopft kräftig an die Haustür, trägt den Sack mit den Gaben in die Stube und bringt sich ab und zu ins «Chlausen» ein. Der Schmutzli interessiert sich für die aufgeräumten Kinderzimmer, und am Ende eines Besuches bin ich manchmal froh, wenn er mir aus dem bequemen Stuhl hilft. Sonst würde ich wohl immer noch dort sitzen.

Wie wird man ein Mitglied der Chlauszunft Wädenswil?
Da wir Zunftmitglieder unsere Tätigkeit nicht bei jedem Familienfest oder Anlass gross in die Runde tragen, kann es durchaus sein, dass man jemand im Bekannten- oder evtl. im Familienkreis hat, der bereits ein Mitglied in der Chlauszunft ist. Dann darf man sich dort sicherlich über die Chlauszunft erkundigen, sein Interesse anmelden und wird dann vom Oberchlaus offiziell angefragt.
Aber natürlich gibt es auch einen weniger geheimnisvollen Weg und man meldet sich einfach mit einer E-Mail unter oberchlaus@chlauszunft.ch. Wir suchen immer wieder neue Mitglieder, und wer weiss, vielleicht ist man schon in der kommenden Chlauszeit ein Schmutzli und besucht zusammen mit einem Samichlaus aufgeregte Kinder oder steht im verschneiten Wald und lauscht einem Adventslied einer Kindergartengruppe. ebr
Chlauseinzug: Am 3. Dezember 2023 werden der Samichlaus und der Schmutzli in Wädenswil Einzug halten. Um 17.30 Uhr ziehen sie an der Zugerstrasse unter dem Schein der Weihnachtsbeleuchtung ein und eröffnen die Chlauszeit.

2014 – 50 JAHRE GLÄNZENDE KINDERAUGEN – CHLAUSZUNFT WÄDENSWIL

Es ist Anfangs Dezember und eine ungewöhnliche Spannung liegt in der Luft. Vielleicht fällt heute der erste Schnee?! Oder ist es doch etwas anderes?

Da ertönt ein helles bimmeln vor der Haustür. Der Puls wird schneller und die Hände werden ganz schwitzig. Die Tür geht auf und zwei Männer mit langen weissen Bärten stehen vor der Tür. Der Eine hat einen roten und der Andere einen schwarzen Mantel an. Sie haben ein dickes goldenes Buch, einen Jutesack und eine Fitze dabei. Es ist der Samichlaus und sein Schmutzli die den weiten Weg aus dem Chlaushüüsli auf sich genommen haben um mich zu besuchen…

Aus Sicht der Kinder beginnen so seit nun 50 Jahren die Hausbesuche der Chlauszunft Wädenswil. Unzählige Kinder wurden während dieser Zeit „bechlaust“ und auch wenn sich manches verändert hat, so bleiben die „Sünden“ der Kinder – wie Zimmer aufräumen und Gemüse essen – und ihre glänzenden Augen, wenn der Samichlaus kommt, die gleichen.

Die Chlauszunft Wädenswil besteht aus 21 Zünfter, die ehrenamtlich in Wädenswil, Au, Richterswil und Samstagern die Kinder und Ihre Familien (nach Voranmeldung: www.chlauszunft.ch) besuchen. Höhepunkte, neben den ca. 140 Hausbesuchen sind der Chlauseinzug und das Chlaushüüsli.

Der Chlauseinzug findet jeweils jedes Jahr am ersten Advent in Wädenswil statt. Die Samichläuse und Schmutzlis kommen mit ihrem Esel und verteilen 1300 Chlaussäckli gratis an die Kinder. Diese Chlaussäckli werden durch die Hausbesuche, sowie durch diverse Sponsoren und Gönner finanziert, bei denen wir uns auf diesem Weg herzlichst für die langjährigen Unterstützungen bedanken möchten.

Für die Kindergärten und Schulklassen aus Wädenswil und Au besteht ausserdem die Möglichkeit, den Samichlaus und sein Schmutzli in ihrem Chlaushüüsli zu besuchen. Das Chlaushüüsli wird jedes Jahr durch die Zünfter hergerichtet und liebevoll dekoriert. Ausserdem wird ein Zaun und einen Unterstand gebaut, damit sich die Esel beim Samichlaus wohlfühlen. Die Kinder bekommen einen Orangenpunsch und einen Lebkuchen, der Samichlaus erzählt eine Adventsgeschichte und die Kinder können sehen, wie diese beiden Herren in ihrem kleinen Chlaushüüsli leben.

Zum 50. jährigen Jubiläum wünschen wir uns, dass wir noch viele weitere Jahre diese Tradition fortführen können. Dass wir noch viele Hausbesuche erleben dürfen und das Wichtigste, das wir weiter in strahlende Kinderaugen schauen können, wenn wir anfangs Dezember wieder vorbeikommen und die Haustür aufgeht. 

Chlauszunft Wädenswil

1984 – ZWANZIG JAHRE CHLAUSZUNFT WÄDENSWIL

Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1984 von Willy Meier

Im März 1964 gruppierten sich Dölf Amrein, Hans und Otti Fischer, Kurt Grob, Louis Nievergelt, Martin Palm und Hugi Weber zur Wädenswiler Chlauszunft. Es waren beileibe keine Bölimänner, welche sich vor 20 Jahren zusammentaten, um den Alleingang einzelner Chläuse etwas zu organisieren. Man wollte aber keinen neuen Verein. Die Wirkungsfähigkeit zur Erhaltung des alten Volksbrauches durfte nicht durch Statuten und durch ein Büro angenagt werden. Ehrenamtlich zielte man von Anfang an darauf ab, dem Zweck entsprechend zu handeln und möglichst breiten Kreisen – vorab den Wädenswiler Kindern – die Herzen zu erfreuen.

Der administrative Aufwand sollte sich – ohne Präsident, Aktuar, Kassier usw. – auf die Mittelbeschaffung, die Organisation des jährlichen Chlauseinzuges und der sich über mehrere Tage erstreckenden Hausbesuche beschränken.

Die Ausrüstung beschaffte man sich zu Beginn in Miete. Simple Wattebärte genügten. Auch wenn man kein Verein sein wollte, war es bei der Chlauszunft dasselbe: die Substanz wird durch die Fronarbeit der Mitglieder selbstlos und idealistisch erarbeitet. Enormen Einsatz leisteten im Hintergrund die massnehmenden, zuschneidenden und nähenden Chlauszunft-Frauen. Nur so vermochte man zunfteigene Kleider zu erwerben. Die bescheidenen Wattebärte konnten mit der Zeit durch Hanfbärte aus Deutschland ersetzt werden. Heute verwandeln echte Haarbärte die wackeren Zünfter in echt wirkende, prächtige Samichläuse. So ein Bart kostet seine guten 400 Franken. Ebenso viel muss in Stoff und Zutaten für eine Chlauskleidung investiert werden.

Die 21 Mitglieder der ChIauszunft möchten bei ihren etwa 250 Hausbesuchen, bei 20 bis 30 Vereinsanlässen, in Kindergärten und bei Schulbesuchen die Herzen erfreuen. Das Loben steht vor dem Ermahnen. Getadelt wird ungern, gestraft nie. Der Samichlaus kann und will nicht in einer halben Stunde zurechtbiegen, was Erwachsene jahrelang verbogen haben.

Der Chlauseinzug, früher jeweils um den 6. Dezember herum, wurde 1983 auf den ersten Adventssonntag verlegt. So gewannen die Chläuse etwas mehr Zeit für die vielen Hausbesuche. Zwanzig Chlauseinzüge prägten dieses eindrucksvolle Ereignis zum traditionellen – nicht mehr wegzudenkenden – Wädenswiler Volksbrauch. 1964 schritten die Samichläuse noch ohne Wagen und ohne Esel, die Säcke auf dem Rücken tragend, die Route ab. Jahr für Jahr wuchs das Interesse in der Bevölkerung. Und als die Zunft mit einem Brückenwagen und Eselgespann auffuhr, stieg die Bedeutung des Chlauseinzuges enorm an und damit auch die Zuschauerzahl an den Strassenrändern beim Umzug. – Auf Vaters Schultern hat man mit klopfendem Herzen die stolze Gestalt des Bischofs mit seinem eindrucksvollen Stab und seine wackeren Begleiter beschaut, sich am leuchtenden Christbäumlein auf dem Wagen der bevorstehenden Weihnacht erinnert und sich an den niedlichen Eselein begeistert … Und jetzt steht man wieder am Strassenrand, auf den gewachsenen Beinen, einen Nachkommen auf dem Buckel. An der Deichsel zieht ein Eselein aus der dritten Generation. Dorli und ihre Tochter Susanne sind in den Eselhimmel eingegangen. Jahrelang haben sie eigenwillig und treu den Wagen mit den Anis-Chräbeli, den Nüssli, Mandarinen und Lebkuchen gezogen … Dass die Samichläuse, das Gefährt und die Esel mit Seilen gegen allzu zudringliche Mitmenschen abgeschirmt werden müssen, wollen wir anständig überbordender Begeisterung zuschreiben. Hamstertragtaschen mögen dazu dienen, dass Spanische Nüsslein nicht neben allzu kleine Kinderhändchen fallen – Zeiterscheinung? – Wohl kaum, wenn wir Lausbuben beobachten, welche sich immer wieder über Routenabkürzungen, einmal mit und einmal ohne Mütze, den Chläusen bittend voranstellen – Hand aufs Herz – wird man da nicht an eigene Jugendstreiche erinnert?

Anfänglich erhielt die Zunft einen Zustupf aus der Gemeindekasse. Sobald man aus dem Schneider war, getraute man sich nicht mehr anzuklopfen. Dank freiwilliger Gaben nach den Gratis-Hausbesuchen, dank Spenden vereinzelter Firmen und privater Gönner, kann die Zunft Mandarinen, Guetzli, Lebkuchen usw. zur Verteilung an die Kinder für den Chlauseinzug einkaufen. Auf Rosen ist man nicht gebettet. Selbstlose, liebe Aussenstehende haben immer wieder dazu beigetragen, dass das Budget nicht durchlöchert und in den eigenen Samichlaus-Sack gegriffen werden musste. – Dankeschön für den Wagen, für dessen Renovation, für die Leih-Esel, für die Strassensicherung, fürs Absperren, fürs Verständnis …

Von der Gründung an dabei waren die Chläuse Dölf Amrein, Otti und Hans Fischer und Martin Palm. Ihnen vorab, die nun zurückgetreten sind, aber auch den jungen Männern und Frauen, welche mithelfen, die Tradition fortzusetzen, danken wir.


Willy Meier